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Starker Franken bremst regionale Wirtschaft

Der starke Franken hinterlässt deutliche Bremsspuren in der regionalen Wirtschaft. Dies zeigt eine Umfrage, welche die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) in Zusammenarbeit mit BAKBASEL durchgeführt hat. Besonders betroffen sind die Chemie-, Pharma-, Biotech- und die Investitionsgüterindustrie. Sie erwarten negative oder stark negative Auswertungen. Über 10 Prozent prüfen Entlassungen, tiefere Löhne, höhere Preise und längere Arbeitszeiten. An der Umfrage haben sich über 1100 Firmenkunden der BLKB beteiligt.

Mit der überraschenden Aufhebung des Mindestkurses zum Euro am 15. Januar 2015 durch die Schweizerische Nationalbank ist die Situation für die Unternehmen schwieriger geworden. BAKBASEL hat in Zusammenarbeit mit der BLKB bei deren Firmenkunden eine Umfrage dazu durchgeführt. Neben den absehbaren Auswirkungen auf den Geschäftsgang wurde auch nach allfälligen Massnahmen gefragt. Es haben rund 1100 Firmen geantwortet. Dabei zeigt sich auch, dass rund die Hälfte der Unternehmen von keinen negativen Konsequenzen auf den Geschäftsgang ausgeht. Darüber hinaus rechnen rund 6 Prozent mit positiven Effekten. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Unternehmen ihre Margen dank günstigen Einkaufskonditionen für Vorleistungen aus dem Euroraum erhöhen können.

Marc Bros de Puechredon, Vorsitzender der Geschäftsleitung von BAKBASEL, stellte an einer Medienkonferenz die Ergebnisse der Umfrage vor. Eine Auswertung nach Branchen ergibt, dass insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Chemie/Pharma (80%), Investitionsgüterindustrie (80%), Motorfahrzeughandel (76%) und Gastgewerbe (72%) mit negativen, beziehungsweise stark negativen Konsequenzen rechnen. De Puechredon geht davon aus, dass einerseits die Exportabhängigkeit, aber auch der Konkurrenzdruck des grenznahen Auslands hier eine wichtige Rolle spielen.

Die geringsten negativen Auswirkungen erwarten die Unternehmen des Baugewerbes (24%) und des Gesundheitswesens (10%). Positive Effekte erwarten die Firmen aus den Bereichen Grosshandel (18%) und der sonstigen Industrie (15%).

Eine Auswertung von möglichen Massnahmen ergibt, dass über 30 Prozent der befragten Unternehmen mit dem Gedanken spielen, vermehrt Vorleistungen aus dem Euroraum einzukaufen. Auf Platz zwei der meist genannten Massnahmen findet sich mit gut 13 Prozent die Entlassung von  Mitarbeitenden. Dabei nennen insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Investitionsgüterindustrie und Motorfahrzeughandel diese Möglichkeit. Knapp dahinter folgen höhere Preise, die Verlängerung der Arbeitszeit und Lohnsenkungen. Die Option Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, wird zurzeit von weniger als 5 Prozent der Unternehmen in Betracht gezogen.

Dr. Beat Oberlin, CEO der BLKB, wies darauf hin, dass "der starke Franken in erster Linie Folgen für die Unternehmen in unserer Region hat." Und er hielt fest: "Indirekt sind auch wir als wichtigste Bank für die regionalen Firmen betroffen. Wir können zwar den Firmen dank unserer nach wie vor starken Eigenmitteldeckung weiterhin Kredite zur Verfügung stellen. Doch die Unternehmen stellen Investitionen zurück und ihre Kreditkapazität wird durch den niedrigeren Cash-Flow eingeengt."

Für die Bank, so Oberlin, wirkten sich vor allem die Negativzinsen aus. Er fuhr fort: "Unsere Refinanzierungsmöglichkeiten verringern sich. Der Markt für Absicherungsgeschäfte ist praktisch illiquid. Die Preisstellung in einem Negativzinsenumfeld ist ausserordentlich anspruchsvoll. Auf der einen Seite müssten wir von unseren Kundinnen und Kunden auf ihren Sparkonten eigentlich negative Zinsen verlangen. Und auf der anderen Seiten erhöhen die schwierigen Refinanzierungsbedingungen und die gestiegenen Absicherungskosten den Kundenzins für Hypotheken."

Schliesslich hielt Oberlin fest, dass auch der Kanton betroffen sei: "Ein schlechterer Geschäftsgang der Unternehmen hat einen Rückgang der Steuern zur Folge. Kommt es dann noch zu Entlassungen oder tieferen Löhnen, sinken auch die Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen."

Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, wies darauf hin, dass viele Unternehmen bis zum Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vom 15. Januar langfristig mit einem Kurs von CHF 1.20 gerechnet haben. "Das bedeutet", so Buser, "die meisten haben nicht damit gerechnet, dass eine Frankenaufwertung dermassen rasch kommt." An einem Treffen zwischen Unternehmern und Mitgliedern der Baselbieter Regierung sei es rasch klar geworden, dass sich die aktuelle Situation nicht mit der Krise von 2009 vergleichen lasse. Buser: "Heute haben wir es mit einer möglicherweise lang anhaltenden Frankenstärke zu tun - während die Wirtschaft abgesehen von den Währungsturbulenzen robust wachsen würde. Ziel ist es, Marktanteile zu sichern, Arbeitsstellen im Inland zu erhalten und den Strukturanpassungsprozess so schlank und gut wie möglich zu vollziehen."

An einem Treffen mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann seien Handlungsoptionen in folgenden Bereichen diskutiert worden: Bürokratieabbau, Kosten-/Preisreduktionen, Steuern und Abgaben, Innovationen, Freihandelsabkommen, bilaterale Verträge, Verkehr und Mobilität. Christoph Buser zieht ein positives Fazit aus diesem Gespräch: "Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat unsere Forderungen entgegengenommen. Er hat signalisiert, die Anregungen und Forderungen der Baselbieter Unternehmer direkt in den Bundesrat einfliessen zu lassen."