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Selbstbestimmt vorzusorgen zahlt sich aus

 

Sich mit der eigenen Vorsorge auseinanderzusetzen, zahlt sich wortwörtlich aus – vor allem für Frauen. Sie erhalten in der Schweiz rund 35 Prozent weniger Rente als Männer. Dies zeigt ein aktueller Bericht des Bundesrats über die Erfassung des Gender Overall Earnings Gap vom September 2022.

Drei Gründe für den Gender Pension Gap

Frauen sind aus folgenden Gründen weniger gut gestellt in puncto Vorsorge: Erstens arbeiten sie oft Teilzeit und verdienen dadurch weniger. Viele Paare leben in einem traditionellen Rollenmodell, in dem die Frau oftmals ihr Arbeitspensum reduziert, um die gemeinsamen Kinder zu betreuen. Zweitens verdienen Frauen in vielen Branchen grundsätzlich weniger als Männer – Stichwort Lohnungleichheit. Und drittens hat der Zivilstand einen Einfluss auf das Altersguthaben: Eine verheiratete Frau ist besser abgesichert als eine nicht verheiratete, da sie die während der Ehe angesparten Pensionskassenguthaben mit dem Partner teilen kann. Dennoch kann sie durch Babypause oder Reduktion des Arbeitspensums von Lücken betroffen sein. Im Falle einer Trennung oder Scheidung kann zudem der berufliche Wiedereinstieg harzig verlaufen.

Tieferes Einkommen beeinträchtigt alle Vorsorgepfeiler

Wichtig ist, dass Frauen sich bewusst und frühzeitig mit ihrer Vorsorge beschäftigen. Das erlaubt ihnen, gute Vorsorge-Lösungen zu entwickeln. In den letzten Jahren wurde bereits Massnahmen ergriffen, um ihre Situation zu verbessern. Es gibt zum Beispiel schon deutlich flexiblere Arbeitszeitmodelle, die es Frauen mit Kindern ermöglichen, berufstätig zu sein. Zudem haben gewisse Pensionskassen die Koordinationsabzüge für Teilzeitarbeitende gesenkt. Das ist erfreulich, denn ein geringeres Einkommen wirkt sich direkt auf alle drei Pfeiler der Altersvorsorge aus:

  • Tiefere AHV-Rente: Wer erwerbstätig ist, entrichtet AHV-Beiträge – sie werden direkt vom Lohn abgezogen. Eine Vollrente gibt es jedoch nur bei regelmässiger Einzahlung jedes Jahr. Wer längere Zeit nicht arbeitet, hat oftmals Beitragslücken und bekommt dadurch weniger Rente.
  • Tiefere Pensionskassenrente: In die zweite Säule bezahlt der Arbeitgeber ab einem Jahreseinkommen von 22’050 Franken ein. Verdient man jedoch weniger oder pausiert eine Zeit lang im Berufsleben, fliessen keine Gelder in die Pensionskasse. Zudem kommt der Koordinationsabzug den Teilzeitarbeitenden in die Quere (25’725 Franken, 2023). Gewisse Pensionskassen reduzieren diesen Betrag jedoch.
  • Keine Mittel aus der privaten Altersvorsorge: Die dritte Säule (3a und 3b) ermöglicht das private Ansparen von Vorsorgekapital. Sie ist freiwillig. Sind die Einkünfte jedoch knapp, bleibt vermutlich selten etwas fürs private Vorsorgesparen übrig.

Nicht zuwarten, sondern handeln

Es ist also entscheidend, bestehende Chancen zu nutzen. Ziel sollte es sein, dass Frauen ihren eigenen Beitrag zur Deckung der Lebenshaltungskosten im Ruhestand leisten können oder je nach Wunsch finanziell vollkommen unabhängig werden. So kann das gelingen:

  • Situation analysieren: Lassen Sie von der AHV-Ausgleichskasse Ihre Rente berechnen. Prüfen Sie zudem auf Ihrem Versicherungsausweis, wie hoch die Pensionskassenrente sein wird. Deckt die Gesamtrente die Kosten Ihres aktuellen Lebensstandards nicht, sollten Sie etwas unternehmen.
  • AHV-Lücken schliessen: Unterbrechen Sie das Erwerbsleben so kurz wie möglich. Haben Sie Beitragslücken in der AHV, können Sie diese Gelder bis auf fünf Jahre rückwirkend nachzahlen.
  • Lösung für Pensionskassen-Lücken finden: Falls Sie in einer Partnerschaft leben und Teilzeit arbeiten, können Sie vereinbaren, dass Ihr Partner regelmässig einen Beitrag in Ihre Pensionskasse einzahlt. Mit genügend finanziellen Mitteln ist es auch möglich, sich bei der Pensionskasse einzukaufen und so Ihren Rückstand aufzuholen.
  • Private Vorsorge stärken: Eröffnen Sie eine 3. Säule – je früher, desto besser. Auch wenn Sie nur geringe Beiträge einzahlen, bringt Ihnen das etwas. Das Eröffnen einer gebundenen 3a-Lösung ist allerdings nur möglich, wenn Sie erwerbstätig sind. Sollten Sie nicht arbeitstätig sein, stehen Ihnen die flexiblen 3b-Lösungen offen.
  • Beraten lassen: Suchen Sie das Gespräch mit Vorsorge-Spezialisten. Sicher ist empfehlenswert, dass Frauen ihre finanzielle Situation stärken – und zwar über die Vorsorge hinaus. Ein kürzlich erschienener NZZ-Artikel bringt es auf den Punkt: «Kompromissloser verhandeln, Phasen unbezahlter Arbeit finanziell absichern und Investitionen an der Börse wagen – diese drei Themen müssen Frauen in Angriff nehmen.»
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