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Vorsorgeplanung nach einer Scheidung

 

Scheidung: Der unterschätzte Wendepunkt in der Vorsorge

Bei einer Scheidung geht es nicht nur um Unterhalt und Aufteilung des Vermögens. Besonders folgenschwer ist die Teilung der beruflichen Vorsorge. Die während der Ehe angesparten Guthaben in der zweiten Säule werden – sofern nichts anderes vereinbart wurde – hälftig geteilt.

Beispiel:

Ein Unternehmer hat per Scheidungszeitpunkt ein Pensionskassen-Guthaben (PK) von 800 000 CHF, seine Ehefrau 200 000 CHF. Resultat: 

  • Der Unternehmer überträgt 300 000 CHF an die PK der Ex-Partnerin 
  • Sein eigenes PK-Guthaben sinkt auf 500 000 CHF

Folge: Eine Vorsorgelücke von 300 000 CHF entsteht – in einer Lebensphase, in der ein Neuaufbau anspruchsvoll ist. Besonders brisant wird es, wenn eine Frühpensionierung geplant war oder Kinder zu versorgen sind.

Stichtag ist der Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens. Auch Freizügigkeitskonti oder frühere Austrittsleistungen werden in die Berechnung miteinbezogen.

Vorsorge strategisch neu aufsetzen: Drei zentrale Hebel 

Wiederaufbau der Pensionskasse durch freiwillige Einkäufe

Nach einer Scheidung können freiwillige PK-Einkäufe dazu genutzt werden, die entstandene Lücke systematisch zu schliessen. Das ist nicht nur vorsorgetaktisch sinnvoll – es bringt auch steuerliche Vorteile.

Beispiel:

Ein Unternehmer (Alter 50) hat nach der Scheidung eine Einkaufslücke von 300 000 CHF. Er entscheidet sich, über fünf Jahre jährlich 60 000 CHF in seine PK einzuzahlen.

Ergebnis:

  • Jährliche Steuerersparnis von rund 20 000 CHF (je nach Wohnort, Steuersatz) 
  • Insgesamt rund CHF 100’000 Steuervorteil über fünf Jahre 
  • Aufbau eines geschützten Vorsorgekapitals für die Pensionierung

Einführung oder Ausbau von 1e-Plänen für Einkommen > 136 000 CHF

Gerade bei Unternehmern oder Kaderangestellten mit hohem Einkommen lohnt sich der Einstieg in 1e-Vorsorgelösungen. Diese ermöglichen:

  • Individuelle Anlagestrategien
  • Keine Umverteilung durch den Pensionskassen-Kollektivtopf
  • Steuerlich attraktive Beiträge
  • Flexible Kapitalplanung

Zusatznutzen: Der Arbeitgeberanteil kann erhöht werden – was wiederum als Firmenaufwand steuerlich abzugsfähig ist.

Säule 3a optimal ausschöpfen – auch mit mehreren Konten

Nach einer Scheidung ist oft unklar, ob eine neue Familienkonstellation entsteht oder nicht. Flexibilität ist gefragt. Wer erwerbstätig bleibt, sollte die Säule 3a jährlich ausschöpfen. Durch Splitting auf mehrere Konten lässt sich der spätere Kapitalbezug zudem steuerlich optimieren.

Vermögensstruktur neu denken – steuerlich optimieren

Eine Scheidung verändert nicht nur das Einkommen, sondern auch die Vermögensstruktur. Viele vermögende Kunden stellen fest, dass Immobilien, Beteiligungen oder Kapitalanlagen neu bewertet und organisiert werden müssen. Mit Steuerfolgen.

Strategien zur Optimierung:

  • Kapital aus dem Unternehmen in die Vorsorge verschieben: Unternehmer können gezielt Pensionskassenbeiträge erhöhen, um liquide Mittel aus der Firma steueroptimiert in geschützte Vorsorgegefässe zu überführen.
  • Steuerprogression brechen durch gestaffelte Einkäufe und Kapitalbezüge: Anstatt Einmaleffekte (z. B. Bonus, Dividenden) voll versteuern zu müssen, können diese via Vorsorge umgeleitet und steuerlich abgefedert werden.
  • Wohnsitzstrategie prüfen: Wer mit einem höheren Vorsorgekapital rechnet, sollte frühzeitig prüfen, ob ein Wohnsitzwechsel in einen steuergünstigeren Kanton sinnvoll ist – besonders vor Kapitalbezug.

Nach der Scheidung: Neue Prioritäten in der Vorsorge

Viele stellen nach einer Scheidung fest, dass sich ihre Lebensziele verändern. Sei es durch eine neue Partnerschaft, durch veränderte Verantwortung für Kinder oder durch die Annäherung an die Pensionierung. Das wirkt sich auch auf die Vorsorgeziele aus.

Typische neue Ziele:

  • Frühpensionierung: Die Neugestaltung der Einkommensstruktur (z. B. durch PK-Einkäufe) erlaubt es, den Rückzug aus dem Berufsleben besser zu planen und steuerlich intelligent umzusetzen.
  • Sicherung des Lebensstandards: Wer sich frühzeitig mit Budget, Kapitalbedarf und Risikoschutz auseinandersetzt, kann verhindern, dass es zu Versorgungslücken kommt.
  • Vermögensschutz und Nachfolgeplanung: Gerade bei neuen Lebenspartnerschaften (Stichwort Patchworkfamilien) ist wichtig, wie Vorsorgegelder vererbt oder begünstigt werden – z. B. durch klare Begünstigtenregelungen in der PK oder durch gezielte Zuweisungen in der dritten Säule.

Unternehmerische Handlungsspielräume nutzen

Wer in leitender Funktion oder als Eigentümer tätig ist, hat nach einer Scheidung besonders viele Gestaltungsmöglichkeiten, die andere nicht haben:

  • PK-Strukturen anpassen (z. B. mit Kadervorsorgestiftungen oder separaten Plänen für Schlüsselpersonen)
  • Höhere Beiträge aus Firmenmitteln verbuchen
  • Liquidität gezielt zur Finanzierung von Einkäufen oder für 3a-Lösungen nutzen
  • Vorsorge als Teil der strategischen Vermögensplanung integrieren (gemeinsam mit Steuern, Nachfolge und Anlage)

Praxisfall: Unternehmerin nach Scheidung – so funktioniert die Neuausrichtung

Ausgangslage:

  • Unternehmerin, 48 Jahre, AG mit 15 Mitarbeitenden
  • Nach Scheidung: Verlust von 400 000 CHF PK-Guthaben, reduzierte Vermögensbasis
  • Ziel: Wiederaufbau Vorsorge, Frühpensionierung mit 60, steuerlich optimierte Struktur

Lösungen:

  • Aufbau einer Kadervorsorgelösung mit 1e-Plan
  • Jährlicher PK-Einkauf von 80 000 CHF, auf fünf Jahre verteilt → Steuerersparnis: ca. 120 000 CHF
  • Zusätzliche Einzahlung in Säule 3a

Resultat:

  • Solide Altersvorsorge mit rund 1,1 Mio. CHF Kapital bis 60. Steuerlast reduziert. Frühpensionierung machbar.

Scheidung ist ein Bruch – aber auch eine Chance zur Neuausrichtung

Für vermögende Kundinnen und Kunden mit unternehmerischem Hintergrund ist die Scheidung nicht nur ein privater Einschnitt, sondern auch ein finanzieller Wendepunkt. Wer diesen Moment nutzt, um die eigene Vorsorge- und Vermögensstrategie ganzheitlich neu aufzustellen, kann massiv profitieren – durch Steuerersparnisse, besseren Schutz im Alter und mehr unternehmerische Flexibilität.

 

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