Herr Palma, warum lanciert die BLKB jetzt die Firmenbörse?
In der Nordwestschweiz stehen rund 12 000 KMU vor einer offenen Nachfolge – das entspricht etwa 16 % aller Unternehmen in der Region. Gleichzeitig nehmen Nachfolgen innerhalb der Familie oder im nahen Umfeld ab. Dadurch gewinnen externe Lösungen deutlich an Bedeutung. Oft ist nicht der Entschluss zum Verkauf die grösste Hürde, sondern die Suche nach einer passenden Nachfolgeperson. Genau dafür wurde die BLKB-Firmenbörse ins Leben gerufen.
Was ist die BLKB-Firmenbörse und an wen richtet sie sich?
Die BLKB-Firmenbörse ist eine Vermittlungsdienstleistung für Verkäufer:innen und Kaufinteressierte. Sie richtet sich insbesondere an Kundschaft aus der Region, die eine externe Nachfolgelösung sucht. Auf der Käuferseite ist das Angebot sowohl für Unternehmen interessant, die durch Zukäufe wachsen möchten, als auch für Privatpersonen, die den Schritt in die Selbstständigkeit planen und ein KMU übernehmen wollen.
Was bedeutet das für unsere Region?
Wenn Nachfolgen nicht gelingen, hat das direkte Auswirkungen: Know-how geht verloren, Arbeitsplätze sind gefährdet und Wertschöpfung wandert ab. Erfolgreiche Übergaben stärken Unternehmen – und damit die gesamte regionale Wirtschaft.
Welche Rolle übernimmt die BLKB und welche bewusst nicht?
Wir bringen Verkäufer:innen und Kaufinteressierte strukturiert und diskret zusammen. Auf der Verkaufsseite prüfen wir, ob das Unternehmen sowie die Verkäuferschaft «fit für die Nachfolge» sind. Hier unterstützen wir mit einer Verkäuferberatung. Auf der Käuferseite analysieren wir die finanziellen Möglichkeiten, klären die unternehmerische Eignung sowie die vorgesehene Rolle und unterstützen bei Bedarf bei der Finanzierung. Was wir bewusst nicht übernehmen: nachgelagerte Leistungen wie Unternehmensbewertung, Preisverhandlungen oder Vertragsgestaltung. Dafür empfehlen wir unabhängige Partner aus der Region.
Was ist für Sie eine gute Nachfolgelösung?
Eine gute Nachfolgelösung ist für alle Beteiligten stimmig: für Verkäufer:in, Käufer:in und das Unternehmen. Wenn die Verkaufsseite rückblickend überzeugt ist, den richtigen Nachfolger gewählt zu haben, und die Käuferseite mit Freude und Verantwortung übernimmt, dann passt es.
Warum ist die BLKB eine besonders gute Partnerin für Nachfolgeplanung und Unternehmenskauf?
Die BLKB ist in der Region tief verwurzelt – fast jedes zweite Unternehmen ist bei uns Teil der Kundschaft. Das schafft Nähe, Verständnis und ein belastbares Netzwerk. Zudem begleiten wir unternehmerisch tätige Personen entlang zentraler Meilensteine; eine Nachfolge zählt zu den wichtigsten. Bereits in zahlreichen Fällen konnten wir Nachfolgeregelungen für unsere Kundschaft erfolgreich unterstützen.
Ihre wichtigsten Tipps an Käufer:innen?
Suchprofil klären, eigene Rolle definieren, finanzielle Möglichkeiten kennen – und transparent kommunizieren.
Was sollte ich unternehmen, wenn ich eine Firma kaufen möchte?
Ein klares Suchprofil erstellen: Was suche ich und was nicht? Ebenso wichtig ist es, die eigene Rolle ehrlich zu definieren, insbesondere im KMU-Umfeld, wo die Inhaberperson oft operativ stark eingebunden war. Ausserdem sollten die finanziellen Möglichkeiten bekannt sein und genügend Zeit eingeplant werden. Wer ohne Plan sucht, verliert schnell Energie und verpasst Chancen.
Welche Fragen sollte ich mir als Käufer:in unbedingt im Vorfeld stellen?
Gerade bei KMU-Nachfolgen ist nicht nur das Unternehmen entscheidend, sondern auch die Person dahinter. Kaufinteressierte sollten sich daher frühzeitig fragen, welche Rolle sie übernehmen möchten, was sie einbringen können und welche Art von Unternehmen wirklich zu ihnen passt. Ebenso wichtig ist die Haltung im Prozess: Wer erfolgreich übernehmen möchte, sollte sich ehrlich für die Geschichte des Unternehmens interessieren, die Anliegen der Verkaufsseite verstehen und auf eine vertrauensvolle, zwischenmenschliche Basis setzen. Eine offene und respektvolle Kommunikation ist dabei oft der Schlüssel.
Welche Stolpersteine sehen Sie auf der Kaufseite?
Kein klares Suchprofil, ein zu technischer Auftritt und zu wenig Verständnis für die Situation der Verkaufsseite. Am Ende geht es nicht nur um Zahlen – es ist ein Übergang, der für beide Seiten stimmig sein muss.
Wo entstehen am häufigsten Missverständnisse zwischen verkaufender und kaufender Partei?
Oft dort, wo Erwartungen zu spät konkretisiert werden. Es ist entscheidend, frühzeitig zu klären, was genau verkauft beziehungsweise übernommen wird – etwa Aktien (Share Deal) oder einzelne Vermögenswerte (Asset Deal). Ebenso wichtig sind Stichtag und Übergang: Ab wann übernimmt wer Verantwortung und Risiko? Und wie wird die Übergabe zeitlich geregelt – zum Beispiel mit einem rückwirkenden Stichtag? Auch bei der Preislogik gibt es oft Klärungsbedarf: Was ist im Kaufpreis enthalten und was nicht? Werden Betriebsmittel übernommen? Wie wird mit Schulden oder Verbindlichkeiten umgegangen? Je früher diese Eckpunkte klar definiert sind, desto reibungsloser verläuft der Prozess – auch aus Sicht der Bank.
Im ersten Interview erfuhren wir, dass es bereits erste Vermittlungen gab. Wie ist der Stand heute?
Genau, wir konnten einige Unternehmen zusammenführen und es befinden sich weitere Fälle in der nächsten Runde. Wir merken, der Bedarf ist nach wie vor vorhanden. Daher bleibt auch unser Ziel, qualitativ hochwertige Matches zu ermöglichen. Dazu nutzen wir weiterhin unser persönliches Netzwerk und Kanäle wie LinkedIn. Nach dem Motto: lieber weniger – dafür qualitativ hochwertige Übereinstimmungen.