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Frau steht im Büro vor einem Schreibtisch mit Lampen und Regalen im Hintergrund.
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Wenn Frauen Firmen übernehmen: Mut, Rollenbilder und die Realität hinter der Nachfolge

 

Die emotionalen Herausforderungen:

Eine Nachfolge startet nicht mit der Vertragsunterzeichnung, sondern viel früher: mit Gesprächen am Küchentisch, mit Blicken im Betrieb, mit der Frage: Trauen sie es mir wirklich zu?

Chantal Henz, Co-Geschäftsführerin und Miteigentümerin der Bischag AG in Laufen, schilderte, wie komplex sich eine Übernahme anfühlen kann. Als Tochter und Nachfolgerin in einer männerdominierten Branche musste sie sich Schritt für Schritt ihren Platz erarbeiten – nicht nur fachlich, sondern auch in der Wahrnehmung anderer.

Viele Nachfolgerinnen kennen ähnliche Momente:

  • Loyalitätskonflikte: Der Wunsch, niemanden zu enttäuschen – und gleichzeitig den eigenen Weg zu gehen.
  • Druck, sich beweisen zu müssen: Fehler werden schneller persönlich genommen oder anders bewertet.
  • Überforderung durch Daueranspannung: Verantwortung plus Erwartungsmanagement, intern wie extern.
  • Loslassen auf der anderen Seite: Für Übergebende ist die Firma oft Lebenswerk und Identität. Wenn das nicht angesprochen wird, blockiert es den Prozess.

Nachfolgeregelungen sind meist mit starken Emotionen verbunden. Das brachte auch Karin Vollenweider, Mentorin Business Park Baselland und Gründerin von IMPULSUS Workshops auf den Punkt: Nachfolgen stocken selten wegen fachlicher Themen, sondern wegen dem, was nicht in der Excel steht – Rollen, Vertrauen, Macht, Angst.

Was hilft?

  • Räume schaffen, in denen Emotionen ausgesprochen werden dürfen, auch wenn es unbequem ist.
  • Externe Begleitung nutzen, bevor Konflikte «hart» werden.
  • Klar kommunizieren: Wer hat ab wann welche Rolle – und wie werden Entscheidungen getroffen?

Strukturelle Unterschiede: Wenn Rahmenbedingungen anders wirken

Neben dem Persönlichen gibt es Faktoren, die Nachfolgerinnen häufiger betreffen – nicht weil Frauen «so sind», sondern weil Rahmenbedingungen und Erwartungen oft unterschiedlich wirken.

Rollenbilder und Akzeptanz

Chantal Henz betonte, dass moderne Führung kein Einzeljob sein muss. Erfolg hängt nicht nur daran, alles Technische selbst zu beherrschen. Entscheidend ist, die richtigen Personen einzubinden, Verantwortung zu teilen und Strukturen sauber aufzusetzen.

Netzwerk und Vorbilder

Viele Frauen wünschen sich im Nachfolgeprozess mehr Austausch, mehr Vorbilder und ein Netzwerk, das auch die menschliche Seite kennt. Das ist kein Zusatz, sondern ein echter Erfolgsfaktor. Ein gutes Netzwerk öffnet Türen, schafft Sicherheit in kritischen Phasen und stärkt die eigene Position.

Finanzielle und rechtliche Realität, oft unterschätzt

Im Anlass wurde auch deutlich: Wer führt, muss nicht nur den Betrieb im Blick haben, sondern auch das Private – gerade für Worst-Case-Szenarien.

Typische Stolpersteine im Alltag

  • Absicherung bei Handlungsunfähigkeit: Ohne Vollmachten und Vertretungsregelungen kann ein Betrieb im Ernstfall blockiert werden.
  • Ehe- und güterrechtliche Fragen: Trennung oder Scheidung kann das Lebenswerk zur Verhandlungsmasse machen.
  • Finanzierung und Tragbarkeit: Ob Kauf einzelner Vermögenswerte oder ganzer Unternehmensanteile – entscheidend ist ein Plan, der Risiken, Steuern und Rückzahlung realistisch berücksichtigt.

Der Punkt ist: Wer eine Nachfolge übernimmt, übernimmt auch Verantwortung für Strukturen, die im Alltag unsichtbar sind – bis sie fehlen.

Drei praktische Schritte für angehende Nachfolgerinnen

  • Klärung statt Vermutung
    Notieren Sie, welche Erwartungen Sie spüren und welche tatsächlich ausgesprochen sind. Sprechen Sie früh darüber, bevor sich Rollen festsetzen.
  • Struktur vor Tempo
    Zuständigkeiten, Stellvertretungen, Vertragsgrundlagen und finanzielle Planung entlasten – und machen unabhängiger von einzelnen Personen.
  • Unterstützung einplanen, nicht erst, wenn es brennt
    Mentoring, fachliche Beratung oder Moderation sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Risikomanagement. Gerade wenn Familie, Betrieb und Eigentum miteinander verflochten sind.

Fazit: Nachfolge ist Verantwortung und sie darf sich richtig anfühlen

Eine Unternehmensübernahme braucht Klarheit in Zahlen und Verträgen. Aber sie gelingt erst dann wirklich, wenn auch das Unsichtbare seinen Platz bekommt: Vertrauen, Rollen, Kommunikation und die Fähigkeit, sich selbst ernst zu nehmen. Der Anlass in Basel hat gezeigt: Frauen bringen viel mit – Fachlichkeit, Sorgfalt, Führungswille. Und sie dürfen gleichzeitig einfordern, was jede erfolgreiche Nachfolge braucht: Respekt, saubere Strukturen und echte Akzeptanz.

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